St. Ursanne – Kanalisationsgrabungen 2016-2019:
Erste Ergebnisse zur römischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Entwicklung einer jurassischen Kleinstadt

PD Dr. Robert Fellner, Kantonsarchäologie Jura

2013 stellte die Gemeinde des Clos du Doubs ein Grossprojekt vor: eine Gesamterneuerung der Kanalisations- und Wasserleitungen in der Altstadt von St. Ursanne. Schnell war klar, dass die dadurch verursachten umfangreichen Erdarbeiten von der Section d’archéologie et paléontologie des Kantons Jura begleitet werden mussten. Das archäologische Erbe von St. Ursanne war kaum bekannt, einzig die ehemalige Pfarrkirche St. Pierre und ein kleiner Teil des Kreuzganges waren zwischen 1958 und 1974 von Claude Lapaire, Alban Gerster und Hans-Rudolf Sennhauser ausgegraben worden. Das Projekt bot also eine einmalige Gelegenheit, um die Vorgeschichte des bekannten historischen Städtchens zu erforschen.

Kurz nach Beginn der Grabung 2016 wurde klar, dass unter den Pflastersteinen noch viel archäologische Substanz vorhanden ist. Durch die Nähe des Doubs liegen die tieferen Kulturschichten seit jeher unter dem Grundwasserspiegel, was zu aussergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen führte. So blieben viele mittelalterliche und frühneuzeitliche Gegenstände aus Holz oder Leder erhalten. Neben mittelalterlichen Stadtmauern, Häuserresten und Gräbern kamen auch viele frühneuzeitliche Befunde zum Vorschein. Neueste Entdeckung dieses Sommers: Auch zur Römerzeit war St. Ursanne besiedelt! Noch läuft die Grabung – was wird die nächste Überraschung sein?

05.11.2019 – 19:30 Uhr

Der Vortrag findet im Hörsaal 118 im Kollegiengebäude der Universität Basel, Petersplatz 1, statt.